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Alle Achtung, Sie reden ja wie ein Mann

Artikel in der Zeitschrift "frauen" 2/99 der Universitäten Hannovers

"Die eigene Sprache - auch Körpersprache - zu finden ist ein langer Weg. Als erstes brauchen wir das rhetorische Handwerkszeug. Wenn wir das beherrschen, sollten vor allem Frauen den Mut aufbringen, die eigene Sprache und den eigenen Stil zu entwickeln".

Studentinnen gehen mit großem Selbstbewußtsein in ihr Studium, der Umgang der Geschlechter unter- und miteinander in den Seminaren ist gleichberechtigt - so sollte es sein.
Die Realität zeichnet jedoch ein anderes Bild: Viele Studentinnen fühlen sich durch verbales und nonverbales Dominanzverhalten ihrer männlichen Kommilitonen an die Wand "geredet". Dies gilt beileibe nicht nur für die Ingenieur- oder sog. Hardwissenschaften.

Mit maximal 16 Teilnehmenden führt die hannoversche Unternehmens- und Kommunikationsberaterin Dr. Sibylle Deutsch Rhetorik- und Kommunikationstrainings in der Universität durch.

"Ich habe drei Semester gewartet, bis ich endlich teilnehmen konnte. Das müßte öfter angeboten werden", so eine Studentin aus dem WS98/99, "ich würde auch sofort ein Aufbauseminar belegen, um intensiv zu lernen und zu üben". Die Mehrzahl der Studierenden nennt als Motivation für das Kommunikationsseminar, sich besser bei Referatsvorträgen ausdrücken zu können. Im Laufe des Semesters wird klar, daß Kommunikationstechniken weit mehr beinhalten. Dazu trägt vor allem bei, daß die Dozentin in praktischen Übungen wie nebenbei zum Beispiel Techniken des Strukturierens und des Zeitmanagements einfließen läßt, daß Gesprächsführung konkret an Fallbeispielen geübt wird und in der Analyse plötzlich klar wird, daß und wo sexistisches Sprach- und Körperverhalten auftaucht - und was es bewirkt.
In vielen Kommunikativen Übungen finden sich die Studierenden unverhofft in "Rollen" wieder: "Sie sind Mitarbeiterin von TUI und sprechen im Audimax zum Thema.... Die Presse ist auch anwesend...." So oder ähnlich lauten die Rollenanweisungen der Unternehmensberaterin. Und während der ganztätigen Blockveranstaltung müssen ausgearbeitete Vortrag vor laufender Videokamera gehalten werden.

Als Unternehmensberaterin weiß Sibylle Deutsch aus langjähriger Erfahrung, daß nicht nur junge Menschen sich schwer tun, ihre eigenen Fähigkeiten zu erkennen und zu präsentieren. So hat Sibylle Deutsch zum Beispiel für das Frauenbüro Hannover fachübergreifende Frauenseminare Bewerbungstraining angeboten, weil sich vor allem Frauen scheuen, ihre Stärken und Qualifikationen zu präsentieren. Das sei doch Anbiederei; und außerdem stehe das alles im Lebenslauf und in den Zeugnissen, so die Meinung der Studentinnen. Natürlich, so Sibylle Deutsch, ist es nicht leicht, die eigene Leistung auf dem Arbeitsmarkt anzubieten wie frische Erdbeeren auf dem Wochenmarkt. Doch auch die Firmen verlangen von den Absolventinnen und Absolventen der Universitäten, daß sie in der Lage sind, ihre eigenen Leistungen und vor allem die Leistungen oder das Produkt der Firma zu präsentieren!

Die vielfältigen Erfahrungen in Unternehmen und ihre Gespräche mit Firmeninhabern zum Thema Führungsnachwuchs sowie ihre mehrsemestrigen Lehrerfahrungen an der Uni legen den Schluß nahe, daß deutlich mehr an der Praxis orientierte Kommunikationsseminare angeboten werden müßten.
Die Unternehmensberaterin Sibylle Deutsch geht noch einen Schritt weiter, wenn sie sagt: "Firmen verlieren zum Teil über einJahr, wenn sie die Absolventinnen und Absolventen erst noch in Grundlagen der Gesprächsführung ausbilden müssen. Auch wäre im Hinblick auf die Zukunft der universitären Ausbildung ein Aufbauseminar Führung und Kommunikation von großer Wichtigkeit für die Frauen wie für die Männer (s. Interview).

Im Sommer 99 wird Sibylle Deutsch das Seminar "Geboren, um Bäume auszureißen. Karriereplanung für Frauen" im Frauenbüro der Universität Hannover neu anbieten. "Eine gute Ausbildung ist ja nur der erste Schritt im Hinblick auf die Berufs- und Karriereplanung von Frauen", weiß die Beraterin. Vor allem Frauen sollten sich frühzeitig überlegen, welche beruflichen und persönlichen Ziele sie anstreben. "Hinterher klüger zu sein ist ja ein humanistisches Ziel, aber zu teuer. Stärkenanalyse und Aufbau des eigenen Persönlichkeitsprofils sind wichtige Erfolgsfaktoren.

 
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