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Am Anfang war das Wort - Creative Writing - Storytellimg- Narratives Coaching

D.E.Tusch
Sein Leben erzählen und formen durch das Wort mit Storytelling - creative writing

Am Anfang war das Wort. Das Wort erschafft die Welt gleichsam ein zweites Mal. Auch wir Menschen erschaffen uns nach der Geburt ein weiteres Mal. Wenn wir beginnen, uns sprechend zu erzählen, wenn wir beginnen, unsere Emotionen, unsere Gedanken, Fragen und Wünsche mitzuteilen und in die Welt zu stellen. Mit dem Wort. Sprechen ist sich erschaffen, sich formen.
In manchen Kulturen steht am Anfang der Akkord, somit der Zusammen-Klang, der die Welt ein weiteres Mal erschafft.

Du bist nicht verloren, solange du dich erzählst
Geschichten erzählen heißt, sein Leben erzählen und formen.  Wie soll ein Mensch sein Leben führen?, fragt Aristoteles (Nikomachische Ethik). Wenn du weißt, wer du bist und dein Leben zu erzählen vermagst, bist du nicht verloren. Wenn du dir erzählst, welches der Kern deines Problems ist, hast du den Kern des Problems bereits erfasst - und die Lösung liegt gleichsam anbei. Mag sein, dass du vergisst, nach deiner eigenen Erzählung zu handeln, vergisst, deinen eigenen Worten zu folgen. „Eine beherrschende Idee lässt sich in einem einzigen Satzdrücken.“ (McKee, 2001, S. 134). Doch Schreiben ist auch wie eine hilfreiche Reinigung der Seele.  Expressive writing improves health and eases emotional pain (Pennebaker/Smyth, 2016 aus).
Schreiben hilft, Emotionen in Worte zu fassen. Worte schaffen Distanz. Worte weisen den Weg hinaus aus dem Dickicht der Gefühle. Schreiben ist Hilfe und Klärung zugleich.

Geschichten erzählen ist so alt wie die Menschheit.
Träume aufschreiben. Journale mit den eigenen Gedanken füllen, um diese aus dem Kopf zu bekommen. Freie Assoziationen. Sich den Kampf mit dem Kollegen als Mini-Drama vorstellen und niederschreiben. In die Landkarte der Heldenbiographie den eigenen Werdegang als Heldengeschichte aufschreiben.

Von der Antike bis heute gibt es eine faszinierende Anzahl unterschiedlicher Anleitungen für Schreibspiele. Goethe ist einer der Begründer des automatischen Schreibens wie auch des therapeutischen Schreibens, beides nutzte er gezielt und bewusst (Werder,1996).
Bruce Chatwin schreibt in „Traumpfade“ über die ausschließlich mündlich überlieferte Geschichte der australischen Aborigines, über ihre songlines, die das gesamte Land durchziehen. Von Alters her  wird das Land ersungen.
Viele unserer Worte verweisen darauf, dass auch wir uns im Gehen erzählend verorten. Redewendungen und Metaphern zeugen davon: Das lasse ich mal links liegen ... Wir sollten uns nicht im Labyrinth verirren ... das können wir getrost beiseite legen ... in diese Fußstapfen musst du treten ... wir bewegen uns in einer Sackgasse ... das wird ein steiniger Weg ... ohne ein Geländer kommen wir nicht weiter ... da ist fester Grund ... lasst uns den Blick nach vorne richten.

Etwas kann nicht existieren, sagen die Aborigines, bevor es nicht in der Vorstellung existiert, besungen und begangen ist. (Chatwin, 1987). Eine größere Achtung vermag man Mensch und Natur kaum entgegenzubringen.

Ohne Worte zerbricht die Erzählung des Lebens
Doch wie sieht der Arbeitsalltag in der Firma aus? Der Kulturwandel im Unternehmen kostet Arbeitsplätze. Die Verlagerung der Produktion bedeutet Umzug oder sozialverträglichen Rauswurf. Effizienz- und Produktivitätssteigerung bei weniger Personal erhöhen den Stress. Auflösung und Neugliederung der Abteilung verursacht Ohnmachtsgefühle, gebiert Krankheit und befördert Mobbing. Man geht mit diesen Gedanken zu Bett und wacht mit ihnen wieder auf.  „Get these thoughts out of my head!“ (Pennebaker/Smith, 2016, S. 81).
Auch der Verlust lieber Freunde verursacht eine Bruchlinie im Leben und einer der Fäden, aus denen unsere Erzählung gewoben ist, reißt. Noch halten die anderen Fäden das Lebenswerk zusammen. Werden hingegen noch mehr Linien zerrissen, verliert sich der Mensch in dem löchrigen Gewebe seines Lebens.

Auf der Arbeit, aber auch im Alltäglichen, geht die Sinnhaftigkeit verloren. Wozu noch?, es passt ja eh nicht mehr ins Gefüge. Und die eigene Geschichte von und über sich selbst – wer glaubt sie einem denn noch?  Wem soll ich sie erzählen? Und was? Die Lebensgeschichte zerfällt, die Worte stimmen nicht mehr, die Bilder von einem selbst fallen von der Wand und zerbrechen. Auf die bange Frage, was kann ich noch, was wird sein, gibt es immer seltener Antworten. Das Erzählen stockt.

Aber der Lebensfaden muss weiter gesponnen werden, sonst schneidet ihn Atropos ab.

Wiedererschaffen durch das Wort
Ich probiere Geschichten an wie Kleider." (Frisch, 1975). Max Frisch resp. sein Erzähler sucht nach einer gescheiterten Beziehung seine Identität. Aus wechselnden Perspektiven ergibt sich immer wieder eine andere Geschichte und eine weitere Möglichkeit der Identitätsfindung. Schreibend vermag der Mensch Klarheit über die Abfolge des eigenen Lebens zu gewinnen.
Wir sprechen und erzählen, um uns unseres Selbst, unseres Seins zu vergewissern. Und um uns im anderen zu spiegeln und wirklich zu werden.

Creative Wirting, Storytelling, Narratives Coaching, Expressive Writing – all diese und weitere Formen des Schreibens klären die Gedanken. Es sind Methoden, um neue Lebensphasen oder schwierige Situationen in einer bestimmten Weise aufzuschreiben, Distanz zu gewinnen, die Emotionen zu ordnen, um so Schritt für Schritt eine neue Geschichte seines Lebens zu erzählen.

Coaching unterstützt, den eigenen Lebensfaden wieder neu zu weben und sein Leben zu erzählen.
Unser Leben verändert sich, wie sich die Welt um uns herum täglich verändert. Unsere Erzählung mit und über uns verändert sich ebenfalls wie eine elastische Masse, die ständig überprüft, geformt, verändert, geknetet, umgeformt und angepasst wird.

Rekonstruieren
Die Geschichte ist die Geschichte meines Lebens. Sie ist Gegenwart, sie ist Vergangenheit, sie ist Zukunft. Dabei ist Erinnern mehr ein Rekonstruieren und auswählen von Informationen, als ein festes Gefüge unabänderlicher Wahrheit über unser Leben und unsere Erfahrungen, wie neuere Forschungen zeigen: „Unsere jeweilige Stimmung und körperlichen Empfindungen spielen eine zentrale Rolle dabei, wie wir uns an ein bestimmtes Ereignis erinnern. Sie geben die Struktur der sich in uns entwickelnden Beziehung zu diesen „Erinnerungen“ vor und bestimmen, wie wir mit ihnen umgehen und sie von Neuem rekonstruieren.“ (Levine, 2015, S. 28).

Identität
Existenz, Dasein braucht eine Widerspiegelung, ein Wahrgenommen werden. Ein sich erzählen. Mich verorten in meiner Kultur, meinen Gedanken, Worten, Taten. Ich werde wirklich, indem ich mich erzähle. Aus der Erzählung – der Narration – formt sich die Geschichte. Meine Geschichte. Daraus schöpfe ich meine Identität.
Wir kommunizieren und erzählen Geschichten, um unsere eigene Geschichte in die laufende Geschichte einzubauen (Arendt, 1981) und zwischenmenschliche Bezüge herzustellen, zu festigen oder auch zu lösen – jedenfalls, um das Miteinander (wieder) im Fluss zu halten. Der Philosoph und Kulturwissenschaftler Peter Sloterdjk hat in seinen Frankfurter Vorlesungen "Zur Welt, zur Sprache kommen" das Geschichten erzählen als Wesenszug beschrieben: „Seit es sie gibt, erzählen Menschen mehr oder weniger fantastische Geschichten über das, was am wirklichen Anfang war, um etwas zu haben, woran sie sich halten können, wenn sie, notorische Spätanfänger, damit beginnen, sich in die laufende Geschichte einzuschalten.“ (Sloterdjk, 1988).

Im Coaching unterstütze ich Sie mit den passenden Methoden und Tools, Ihre Geschichte wieder (neu) zu schreiben und fort zu erzählen und sich erneut in die laufende Geschichte - auf der Arbeit, bei Freunden, daheim - einzuschalten. Einzuschalten als die Person, die Sie sind und sein werden - und wahrhaft sein können.


 
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