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10 Königsregeln der Überzeugung

Überblick über die
"10 Königsregeln der Überzeugung"
1. Königsregel: Was? Grenzen Sie so genau wie möglich ein
2. Königsregel: Meine Botschaft
3. Königsregel: Recherchieren, Sammeln und Analyse
4. Königsregel: Wie? Entscheiden für Redeform, Manuskriptform und Medieneinsatz
5. Königsregel: Strategie der Argumente und Aufbau des Vortrags
6. Königsregel: Visitenkarte des Redners: Sprache, Melodie und Rhythmus
7. Königsregel: Der Körper spricht
8. Königsregel: Der Erfolg folgt
9. Königsregel: Mehr Persönlichkeit
10. Königsregel: Eine Schreibe sei keine Rede
Druckversion10 Königsregeln der Überzeugung

4. Königsregel: Wie? Entscheiden für Redeform, Manuskriptform und Medieneinsatz

4.1 Redeform

Die meisten Anlässe können einer bestimmten Redeform zugeordnet werden, so ist eine Festrede angebracht beim Jubiläum. Auch hier ist es sinnvoll, zu unterscheiden in Sprecherintention (was will ich?) und Hörerintention (was wollen die Zuschauer hören?).

Die drei grundsätzlichen Redeformen lauten:

a) Gelegenheitsrede / Anlass- oder Festrede

Anlass / Situation: Mitarbeiteransprache; Geburtstags-, Jubiläumsrede
Sprecherintention: will ich etwas Schönes und Denkwürdiges sagen? Freundliche Atmosphäre für die Aufnahme des "Neuen Mitarbeiters" herstellen? Verabschiedung verdienstvoller Mitarbeiter?
Hörerintention: Was erwarten die Leute? Wie ist die Stimmung unter dem Publikum / der Abteilung? Warum sind sie gekommen?

b) Informationsrede

Anlass / Situation: etwas Neues und Wissenswertes vorstellen; eine Theorie, ein Gesetz vorstellen; das Publikum / die Belegschaft informieren über neue Verordnungen, neue Konzepte und Beschlüsse.
Sprecherintention: informieren; etwas Bekanntes und / oder Neues mitteilen; Sachverhalt klar, umfassend und verständlich mitteilen
Hörerintention: umfassend informiert werden; sachgerechte und korrekte Informationen erhalten; gut aufbereitete und anwenderorientierte Informationen bekommen.

c) Argumentationsrede / Meinungsrede / Überzeugungsrede

Anlass / Situation: Meinungsaustausch; Pro- und Kontrareden; Vorstellung unterschiedlicher Positionen / Meinungen zu einem Sachverhalt / Thema
Sprecherintention: andere überzeugen / zu etwas bewegen; eigenen Standpunkt deutlich machen und mit Argumenten belegen; provozieren / Kontroversen initiieren, um etwas in Gang zu setzen etc.
Hörerintention: gut begründeten Standpunkt und logische Argumentationsketten hören und sich ggf. überzeugen lassen; neue / interessante / wissenschaftliche / fundierte Argumente hören, um sich selber eine eigene Meinung bilden zu können; völlig neue / fremde Gedankengänge hören; erstklassig begründete Streit-Positionen "life" erleben.

Beispiel: Gelegenheits- oder Anlassrede
Rede zum Geburtstag, Jubiläum, Hochzeitsfeier. Mischformen sind eher die Regel als die Ausnahme. Eine Begrüßung, auf einem Seminar oder bei der Vorstellung des Referenten, ist ebenfalls eine kleine Anlassrede.

Vorbereitung für eine Anlassrede:

  • Das Ziel / Die Botschaft: Was will ich? Will ich in der Anlassrede etwas Schönes sagen? Etwas Denkwürdiges? Will ich nur Einstimmen auf das was kommt?
  • Publikumrecherche: Was wollen die Leute hören? Was brauchen sie? Was sind ihre Interessen?
  • Stoffsammlung / Brainstorming: Sammeln; Recherchieren; Zitate / Bonmots finden; Fotos aus Kindertagen / vom Arbeitsplatz; was erzählen die Kollegen? Schulzeugnisse? Fettnäpfchen? Das größte und das peinlichste Erlebnis?
  • Gliedern / sinnvolle Einheiten bilden:
    • Anrede / Begrüßung der Gäste [innere Haltung: Freude, Glückwunsch, Hoch-Stimmung]
    • Thema / Ziel: Ehrung, Auszeichnung, Freude
    • Kern der Rede: bspw. Dank aussprechen; Verdienste erwähnen; Hoffnung, gute Wünsche
    • Schluss + Appell: endet oft im Trinkspruch; Wünsche, Appell in die nahe Zukunft; Dank.
4.2 Manuskriptform

Man unterschiedet Vollmanuskript, Stichwortzettel und freie Rede. Ursprünglich war eine "freie Rede" in der Tat eine völlig frei gehaltene Rede, heute ist es üblich, für eine freie Rede Stichworte auf (Kartei-)Karten zu haben.

a) Ein Vollmanuskript ist eine auch stilistisch ausformulierte Rede, die vor allem dann sinnvoll ist, wenn es auf die Feinheiten in der Sprache ankommt (beispielsweise bei einer literarischen Rede), oder auf die Exaktheit und Richtigkeit der Worte, der logischen Verknüpfungen und Ableitungen (beispielsweise bei einem komplizierten Fachvortrag, juristischen Definitionen). Auch Politiker halten häufig ausformulierte Reden, jedoch geschrieben im sogenannten Sprechstil. Bei der politischen Rede gilt im allgemeinen das gesprochene vor dem geschriebenen Wort.

b) Zum Stichwortmanuskript gelangt man (a), in dem wichtige Wörter / Kernaussagen im Vollmanuskript als Schlüsselwörter unterstrichen werden. Die Schlüsselwörter werden am besten auf DIN-A 5 Karteikarten (einseitig beschreiben mit großer Schrift) geschrieben.
Jedes Gehirn ist einmalig und die richtigen Schlüsselwörter für die richtigen Assoziationen und Ableitungen zu finden ist individuell verschieden. Ein anderer Weg (b) geht von Haupt- und Nebenstichworten / Schlüsselworten als Gliederungspunkte der Rede aus. Sie sind Meilensteine im Spannungsbogen der Argumentation. Erfahrene Redner nutzen diese (b) Version, zumal wenn die Rede mehrfach gehalten wird, weil sie Spannung, Präsenz und Dynamik in die Präsentation bringt.

c) Die freie Rede ist, wie gesagt, heute i.d.R. eine nach Stichworten gehaltene Rede. Eine wirklich freie Rede kommt in Diskussionsforen / Podiumsdiskussionen vor oder als spontane, der Gelegenheit angemessene Stegreifrede. Entscheidend ist eine klare Disposition im Kopf und 1-3 Argumente spontan assoziiert und mit Ihrer Botschaft / dem Ziel verknüpft. Die dafür erforderlichen zwei Minuten an Vorbereitung sind immer möglich!

d) Vortragsweise: Ein Vollmanuskript vorzutragen bedarf besonders sorgfältiger Vorbereitung, weil Stimmlage, -höhe und -melodie schon nach den ersten Sätzen monoton werden und die Rede "wie abgelesen" wirkt - und das lässt jeden Hörer schläfrig werden. Betonung und Rhythmus kommen durch den inneren Bezug zu den Worten. Bei ausformulierten Sätzen ist das Gehirn kaum in der Lage, sich von den vorgefertigten Sätzen zu lösen. Wenn Sie sich für ein Stichwortmanuskript entscheiden, dann vermeiden Sie bitte unbedingt, Sätze auszuformulieren (Ausnahme: Anfangssatz und Schlusssatz).
TIPP: Eine Rede nach Stichworten zwingt das Gehirn, anhand der "Wortgeländer" (Schlüsselwörter) den Gedanken mit Worten neu zu formen. In der freien Diskussion merkt man beispielsweise dem Sprecher an, dass er nach den richtigen Worten für seine Gedanken sucht - der Redeakt ist (a) einmalig und konzentriert auf das, was ich gleich sagen will und (b) glaubwürdig, weil ich im Zusammenspiel von Körperhaltung, Stimme, Betonung und Worten authentisch bin.

Ein Vollmanuskript vorzutragen heißt, sich innerlich auf jeden Gedankengang zu konzentrieren und den Gedanken mit Worten neu zu erschaffen (auch wenn er bereits niedergeschrieben ist), das ist auch für erfahrene Redner schwer. Dieser Schöpfungsakt verleiht Stimme und Körper Spannung und Präsenz.

4.3 Stichwortzettel

Format

DIN-A5 Querformat, locker in beiden Händen (gesamte Handfläche) halten, aber die schwache Hand (bei Rechtshändern die linke Hand) hat Vorrang (und hält fest), damit die starke Hand für Gestik frei ist.

Regeln beim Beschreiben der Stichwortzettel:

  • Neuer Satz = neue Zeile
  • Nur einseitig beschreiben
  • Gut lesbare große Schrift (auch unter Stress und im Halbdunkeln gut lesbar)
Im Sprechstil schreiben: Ein Gedanke = ein Satz
  • Klare, natürliche Sprache in kurzen Sätzen
  • Verben nach vorne! Verben statt Substantive
  • Wiederholungen statt Synonyme / Prägnante Wiederholungen (Ich behaupte erstens... ich behaupte zweitens... ich behaupte drittens... statt ich möchte weiterhin betonen... außerdem will ich hervorheben...)
4.4 Medieneinsatz

Welche Medientechnik eignet sich bei welcher Redeform?

Grundsätzlich gibt es keine festen Regeln, welcher Medieneinsatz wann und wo eingesetzt werden darf. Für alle technischen Medien gilt: machen Sie sich im Vorfeld mit der Funktionsweise, den technischen Voraussetzungen und den Lichtverhältnissen im Raum bekannt und prüfen Sie grundsätzlich immer vorher(!) und immer selbst(!) die Technik - und machen Sie einen Probedurchlauf! Beim Einsatz von Medien stehen grundsätzlich die Fragen nach Klarheit , eindeutiger Aussage und Erleichterung des Verständnisses der Rede im Vordergrund!

Bei Reden

  • Gelegenheits- / Anlass- / Festrede: kein Medieneinsatz für die Rede; wohl aber Beamer, wenn Fotos (Kindheitsfotos; Arbeitsplatzfotos) und / oder kleine Filmsequenzen (Betriebsausflug; Einweihung) eingefügt werden sollen. Mikrofon erforderlich bei großem Festsaal und / oder ab 80 Personen.
  • Informationsrede: Overhead/Beamer, vor allem, wenn ein neues Produkt / Ablauforganisation etc. und/oder komplizierte Verfahren dargestellt werden und Statistiken und Grafiken sehr viel anschaulicher "erzählen".
  • Argumentations- / Überzeugungsrede: Overhead / Beamer dann, wenn eigene bzw. Gegenargumente mit Statistiken unterlegt werden; Flipchart für situative Skizze, um die Argumentation (3- oder 5-Schritt etc.) zu visualisieren; Flipchart eignet sich auch, um die übergeordnete Gliederung / den roten Faden der Präsentation anzuschreiben und während des Vortrags stehen zu lassen.
Schrift und Schriftgröße
  • Schrift: Überschriften und Stichworte sollten möglichst in klarer, sog. serifenloser (die kleinen Füßchen unter den Buchstabenstrichen) Schrift (beispielsweise Arial, Arial black) gesetzt werden. Für Fließtexte kann auch Times Roman (Serifen) genommen werden. Vorsicht: Folien und PowerPoint sollen keine "Lese"-Texte, sondern den roten Faden oder die wichtigsten Argumente (es sei denn, mal will anhand eines Lesetextes etwas demonstrieren) transportieren.
  • Schriftgröße: Folien-Überschrift: min. 16-18 Pt (Fontgröße); Folientext min. 14 Pt (Fontgröße); Querformat ist lesefreundlicher und technisch leichter handhabbar als Hochformat. PowerPoint-Überschrift: 40-44 Pt; Gliederungspunkte 20-28 Pt., am besten Querformat.
Textmenge und Form
  • Folien: nicht mehr als 8 Sinneinheiten / Gliederungspunkte; einfach, einprägsam, nicht überladen, keine Details.
  • Grafiken: Zweck: dienen der Unterstützung bei komplizierten Sachverhalten, deshalb unbedingt allgemeinverständliche (!) Bilder / Grafiken verwenden; Einkalkulieren, dass das Publikum mehr Zeit braucht, um die Aussage zu verstehen; Balken oder Kuchendiagramm verwenden, Beschriftung zwingend; möglichst nur eine Grafik pro PowerPoint (Ausnahme: zwei oder drei Grafiken bauen aufeinander auf). Einsatz von Bildern muss in sinnvollem Zusammenhang zur Folienaussage stehen, denn Bilder werden vor dem Text wahrgenommen. Grundsätzlich gilt bei Grafiken, Bildern und Video: lieber zu wenig als zu viel. Hier ist nicht der rechte Ort zu zeigen, was Sie technisch alles können.
  • Overlay-Prinzip: eher vermeiden, es sei denn, es ist eine sehr komplizierte Formel / Ableitung / Konstruktion. Dann unterste Folie festkleben.
  • Strukturieren: Einrahmen, variable Schriftgröße (möglichst nicht mehr als 2 Schriftformen und -größen, und diese erkennbar in der gleichen Struktur einsetzen); Textfelder, Umrandungen, Farbunterlegungen / Grauschattierungen, Aufzählungen, Trennstriche etc. sinnvoll! verwenden und in einheitlichem Layout.
Farben, Video und multimediale Effekte
  • Farben vereinfachen, Farben können als Strukturierung verwendet werden (beispielsweise Überschriften immer in blau; Definitionen immer gelb unterlegt), sparsam benutzen und keine Werbebroschüre erstellen! Helle Schriftfarben vermeiden, da sie schwer / nicht lesbar sind. Farben wie dunkelgrün, dunkelrot und blau sind lesbar. Sinnvolle Systematik bei der Farbverwendung (beispielsweise Wiedererkennungswert) überlegen. Auch hier gilt: weniger Farbspielereien sind hilfreicher für den Zuschauer.
  • Video und multimediale Effekte wie kurze Filmsequenzen und / oder Animationen müssen zum Thema passen. Die Information steht im Vordergrund, da jedes Medium seine eigene Form hat, muss auch das Video eine eigene Aussage zu dem Thema haben. Videos sollen kurz und prägnant sein (es sei denn, das Video ist das Zentrum des Vortrages); nicht zuviel Show!
TIPP: Der Vortrag besteht nicht aus dem Vorlesen der Folien! Folientexte / -grafiken sind die Schlüsselwörter für das Publikum (und den Vortragenden), und nicht identisch mit dem vorgetragenen Text.

¹ Vergleiche auch Thiele, Albert, Berlin 2000.


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